|
Blutzeugen der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Bistum Limburg |
|
|
|
Am 20. Juli 2004 jährt sich zum 60. Mal das Ereignis des fehlgeschlagenen Anschlages auf Hitler. Viele mussten dafür sterben, auch aus unserem Bistum gab es Opfer. Die deutsche Kirche hat für die Katholiken, die in den Verfolgungen des Dritten Reiches gestorben sind ein Martyrologium herausgegeben, das inzwischen in dritter Auflage vorliegt (Zeugen für Christus,. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Hg. Prälat Helmut Moll, Paderborn 4. Aufl. 2006, die Angaben beziehen sich Band und Seitenzahl Aufl.3) Hier sind die aufgeführt, die auf eine Weise mit dem Bistum Limburg Verbindung hatten. |
|
|
Franz Leuninger, geboren am 28.12.1898 in Mengerskirchen Westerwald erlernte das Maurerhandwerk und leitete in der Weimarer Republik verschiedene Bezirksorganisationen der christlichen Gewerkschaften. 1930 zog er für die Zentrumspartei ins Breslauer Stadtparlament ein und kandidierte 1933 auch für den Reichstag. Er war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften im Frühsommer 1933 übernahm er die Geschäftsführung der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft "Deutsches Heim". Auf diese Weise konnte er die Verbindungen zu Verfolgten und Gegnern des NS-Regimes aufrechterhalten und kam später in Kontakt mit den Widerstandsgruppen um Carl Goerdeler und Ludwig Beck. Er war verheiratet mit Anna Paulina Meuser, mit der er drei Söhne hatte. Die Verschwörer gewannen Leuninger für das Amt des Oberpräsidenten der Provinz Schlesien. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er am 26. September verhaftet und mehrere Monate im Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße gefangen gehalten, am 26. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet, auf dem Weg zum Schafott betete er das leid "Großer Gott wir loben dich". (I, 346) |
|
|
Anna Maria Speckhahn wurde am 13. Dezember 1883 in Dornburg-Langendernbach im Westerwald als eines von fünf Kindern des Steinbruchbesitzers Blank geboren. Nach der Schule half sie in Haushalt und Landwirtschaft mit. Mit 27 Jahren heirate sie den Gastwirt Karl Seibel. Sie übernahmen ein Hotel in Koblenz. Sie wurde Mutter von Zwillingen. Ihr Mann starb mit 51 Jahren. Sie heiratete erneut. Sie ließ sich als gläubige Frau nicht auf den NS-Staat ein. Ein Brief an ihre Schwester in den USA in denen sie sich über die schwierigen Verhältnisse äußerte, das Verfahren gegen sie wurde aber eingestellt. In einem Gespräch äußerte sie sich über den Sittenverfall der Hitlerjugend. Sie wurde 1943 verhaftet,und kam ins Gefängnis. Sie ist wohl im KZ Ravensbrück gestorben. Von dort sandte man dem Ehemann gegen 50 RM eine Urne mit Asche, das Reqieum in der St. Elisabeth-Kirche erfolgte unter großer Anteilnahme. (I,590) |
|
|
Johannes Prassek wurde am 13. August 1911 in Hamburg-Barnbek geboren. Er studierte von 1931-1933 in Frankfurt St. Georgen. 1937 wurde er in Osnabrück zum Priester geweiht. Er redete offen und verteilte auch systemfeindliche Flugschriften. Am 18.5.1942 wurde er von der Gestapo abgeholt. Am 24.6.1943 wurde er wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Hingerichtet wurde er am 10.11.1943 in Hamburg. (I, 249) |
|
|
Matthias von Leers wurde am 22. Juli 1912 in Gendertheim bei Straßburg geboren. Mit 18 Jahren konvertierte er in Rostock zur katholischen Kirche. 1938 wird er Priesteramtskandidat des Bistums Osnabrück und studierte von 1939 in St. Georgen.1942 wurde er verhaftet und in das Gestapogefängnis Frankfurt gebracht und grausam schikaniert. Er starb nach dem Aufenthalt im KZ Dachau am 3. August 1945 an Knochentuberkulose. (I,263) |
|
|
Pater Werner Barkholt S.J. wurde am 25. Mai 1002 in Hagenau geboren. ER bescuhte das Gymnasium in Montabaur. 1923 trat er bei den Jesuiten ein. 1933 wurde er zum Priester geweiht. Durch eine Fastenpredigt 1938 kam er erstmals in Konflikt mit dr Gestapo. Er bekam Redeverbot. 1940 wurde er verhaftet und erhielt von einem Sondergericht 10 Monate Gefängnis, wurde aber nach der Entlassung von der Gestapo erneut festgenommen und nach Dachau verschleppt. Dort starb er am 18. Juli 1942. (II,780) |
|
|
Pater Alphons Spix (Arnsteiner Patres) wurde am 17. Juni 1894 in Mönchengladbach geboren. 1919 begann er in Arnstein sein Noviziat. Ab 1925 war er Lehrer in Niederlahnstein. 1933 wurde r Superior von Arnstein. 1941 wurde er von der Gestapo in Koblenz verhört. Er hatte polnische Zwangsarbeiter betreut. Deshalb wurde er später verhaftet und ins Gestapogefängnis Frankfurt gebracht. Alle Versuche, ihn dort heraus zubekommen hatten keinen Erfolg. Von dort brachte man ihn in das Konzentrationslager Dachau. Am 9. August 1942 starb dort. (II,807) |
|
|
Schwester M. Aloysia Löwenfels von den Armen Dienstmägden Jesu Christi wurde am 5. Juli 1915 in Trabelsdorf in einer jüdischen Familie geboren. Gegen den aggressiven Widerstand der Familie näherte sie sich der katholischen Kirche. Sie wurde Kindergärtnerin, die Benediktinerinnen von Eichstätt nahmen sie wegen der Rassengesetze nicht auf. In Frankfurt war sie Kindermädchen, sie suchte aber immer mehr die Kontakte zu den Armen Dienstmägden. Ein Priester (Pf. Keuyk) half ihr dabei. Am 25.11. 1935 wurde sie getauft. Sie floh vor der Judenverfolgung nah Holland. Am 8.12.1937 wurde sie in das Postulat aufgenommen. Man zwang sie, den Judenstern zu tragen. Als Ende Juli 1942 der Hirtenbrief der holländischen Bischöfe verlesen wurde, wusste sie was nun auf sie zukam. Sie wurde am 2.8.1942 verhaftet. Wenn man sie schlug sagten die Peiniger: "Ihr wisst, dass ihr dies euren Bischöfen zu verdanken habt." Über verschiedene KZs kam sie nach Auschwitz und starb mit 27 Jahren am 9.8.1942 in der Gaskammer. (II,263) |
|
|
Vikar Heinrich König wurde am24. Juni 1900 in Frankfurt am Main-Höchst geboren. 1918 verlegte die Familie den Wohnsitz nach Unna. Er studierte Theologie und wurde am 10.8.1924 in Paderborn zum Priester geweiht. Nach einem vertraulichen Gespräch 1941 wurde er angezeigt und zum Verhör vorgeladen, weil er am Endsieg zweifelte. Er kam ins Gefängnis. Der Erzbischof erlaubt e der Mutter, ihm heimlich die Kommunion zu bringen. Von der Untersuchungshaft kam er ins KZ Dachau. Eine Gallenoperation verheilte nicht, er bekam nach einem Sturz eine Bauchfellentzündung und starb am 24.6.1942. (I,484) |
|
|
Bruder Eduard Ossowski SAC geboren am 3. Juli 1878 in Struga. 1902 wurde er Bruder bei den Pallottinern. 1904 legte er seine erste Profess in Limburg ab. Nach der Auflösung von Vallendar war er in der Küche des Missionshauses in Limburg. Er begegnete den Kriegsgefangenen im Haus freundlich. Das sah die Gestapo nicht gerne. Bei einem Gespräch mit einem Gestapomann riss ihm der Geduldsfaden. Er wurde wegen staatsfeindlicher Gesinnung verhaftet. Am 14.1.1944 erlag im Gefängnis in Frankfurt, zu dem er zu einem Jahr haft verurteilt worden war, staatlicher Erklärung nach einer Grippe.(II,835) |
|
|
Pater Richard Henkes SAC wurde am 26. Mai 1900 in Ruppach/Westerwald geboren. 1912 ging er in das Studienheim der Pallottiner in Vallendar. 1925 empfing er in Limburg die Priesterweihe. Er war als Lehrer an verschiedenen Studienheimen tätig. Nach deren Auflösung wurde er Pfarrer in der Diözese Olmütz. Er verteilte die predigten von Kardinal Galen und war auch in seinem Sprechen deutlich. Am 6.4.1943 wurde er in Troppau von der Gestapo in Haft genommen. Am 10.7.1943 kam er nach Dachau. Er war an verschiedenen Stellen zur Zwangsarbeit eingesetzt. Immer versuchte er seelsorglich zu wirken. Im Seuchenwinter 1943/44 pflegte er freiwillig Typhuskranke. Er infizierte sich und starb am 22.2.1945. Seien Urne ist auf dem Friedhof in Limburg beigesetzt. (II,829) |
|
|
Bruder Franz Xaver Maier SAC wurde am 5. August 1910 in Reithof geboren. Er wurde Schlosser und kam in den Raum Mainz. Er gehörte zur Jugendbewegung. Am 24.9.1934 begann er sein Noviziat bei den Pallottinern. 1936 erfolgte sein erster Profess. Im Missionshaus in Limburg war er Traktorfahrer. Im Rahmen einer Gestapoaktion wurde er und viele andere verhaftet und in Schutzhaft ins Gestapogefängnis in Frankfurt gebracht. Er hatte zuviel mitbekommen. 1942 erhielt man überraschende die Nachricht, er habe sich im Gefängnis erhängt. Ein Augenzeuge des Todes gab auf dem Sterbebett zu Protokoll, dass der Bruder an den Misshandlungen der Gestapo gestorben sei. (II,834) |
|
|
Kaplan Dr. Hermann Joseph Wehrle wurde am 26. Juli 1899 in Nürnberg geboren. Aus beruflichen Gründen siedelte die Familie nach Frankfurt-Höchst über, wo er seine Schulausbildung absolvierte. Er studierte unter anderem Theologie und war publizistische tätig, dies musste er 1933 beenden. Danach suchte er den Weg zum Priestertum und trat 1941 in das Priesterseminar Freising ein. 1942 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem 20. Juli gab nach Foltern ein Gefangener der Gestapo u, dass Wehrle in einem Seelsorgegespräch den Tyrannenmord für erlaubt gehalten habe. Am 18.8.1944 wurde Wehrle verhaftet. Freisler erhob gegen ihn den Vorwurf des Hochverrates. Wehrle wurde am 14.9.1944 zum Tode verurteilt und in Plötzensee erhängt, seine Asche wurde über die Rieselfelder zerstreut. In seiner Kleidung fand man einen Zettel mit den Abschiedsworten: "Ich bin eben zum Tode verurteilt worden. Welch schöner Tag, - heute Kreuzerhöhung." (I,390) |
|
Über viele andere wäre noch zu berichten, auch über solche, die verfolgt wurden, im Gefängnis oder KZ waren oder sonstigen Unbill erleiden mussten. An sie alle sei ehrend gedacht. Verantwortlich: Dr. Ernst Leuninger; Limburg |
|